Viele Leute fragen immer wieder, wie kann man in die Wüste fahren, dort gibt es doch nur Sand und öde Weiten. Das
diese Menschen einem großen Vorurteil erlegen sind, ist vielleicht ein Segen, denn Sahara, das ist weitgehend abwechslungsreiche und faszinierende, wilde Natur, die von großflächigen Tourismus noch verschont ist.
Keine Landschaft verändert sich so schnell und bleibt doch gleich.
Hier kann man mächtige Vulkanberge, zerklüftete Felsformationen, riesige Sanddünengebiete, ausgetrocknete Flussläufe, Hochplatous mit tiefen Canons, Tafelberge, weite
Sand- , Kiesel- und Geröllebenen und dazwischen immer wieder die fruchtbaren Oasensiedlungen mit Gärten und Palmenhainen erleben und genießen.
Wer mit offenen Augen durch die Sahara geht, der wird auch eine Reise in sein Inneres
antreten und Dinge entdecken die in der räumlichen Enge unseren heimischen Umgebung nur schwerlich zu finden sind.
Hier befindet man sich an Orten wo keine Hinweise oder Verbotsschilder, Lärm, Hektik, Staus und dergleichen die Sicht
vernebeln.
Eine großzügige Weite von einer unermesslichen Menge an Raum, Luft und Freiheit entschädigt neben der ungewöhnlichen Szenerie der Natur, dafür das die Sahara nicht dem klassischen schönen Landschaftsbild entspricht wie
rauschende Wälder oder murmelnde Gebirgsbächen.
Wer hierauf nicht verzichten kann für den ist die Sahara der falsche Ort. Wer aber Luftspiegelungen; Windhosen, phantastische Wolkenbilder, Pflanzen, Tiere oder gar Spuren der
vorgeschichtlichen Bewohner der Sahara als diese noch Savanne war entdecken möchte. Wer die Gastfreundschaft der Wüstenbewohner wie z. B. der Tuareg erfahren möchte, der kommt mit uns mit, auf eine phantastische Reise durch die Sahara
Algeriens.
.... wo das Abenteuer einen Namen hat..... SAHARA
......eine fantastische Reise durch die Sahara Algerien´s....
25.10.02 bis 1.12.02
Um ein Ziel zu erreichen muß man darauf hinarbeiten.
Unser Ziel zu Anfang war ein Fahrzeug zu erstellen, was den harten Anforderungen Nordafrikas gerecht wurde.
Ungewöhnlich auch die Zahl derer, die in diesem Fahrzeug Marke: Land Rover Defender als Mitfahrer vorgesehen
waren. Zu viert
wollten wir in unserem Wagen die Strapazen der Sahara bewältigen. Ratsam ist es in zweier Besatzung, doch uns blieb keine Alternative. Unser Problem lag also im höheren Gewicht und dem größer benötigtem Stauraum. Angefangen vom auswechseln
des Stoßdämpfer samt Federn bis zum kompletten Eigenbau eines stabilen Dachgepäckträgers aus Aluminium sowie von Sandblechen, um nur einiges zu nennen, wurde an unserem Fahrzeug eine Menge verändert und neu hinzugefügt. Eine genaue Liste
der Sachen die wir dabei hatten, habe ich bei Tipps & Tricks aufgeführt
Viele hatten Anteil an diesen Arbeiten. Ohne ihre Hilfe und Arbeit wäre gerade in der Vorbereitung wenig gelaufen.





An einem trüben verregneten Oktobermorgen 2002 begann unsere Reise und wir starteten in Richtung Genua, mit der Gewissheit, das dieses Nass was in Unmengen auf unseren Wagen herab prasselte, einer unseren kostbarsten Güter werden sollte.
Im Hafen von Genua erblickten wir unsere Fähre. Die Ausmaße so eines Schiffes beeindruckt immer wieder. Wir waren
auch erstaunt, was man so alles auf einen normalen PKW laden kann. Viele Tunesier kauften in Genua ein.
Auch andere, die anscheinend gleiches vor hatten wie wir, standen mit uns an der Fähre.
Unsere Überfahrt nach Nordafrika gestaltete sich als angenehm, nur die Nacht erwies sich als wenig
erholsam. Das lag zum größten Teil daran, das wir vier, um uns hier vorzustellen Torsten Andrea, Joachim und Peter, uns keine Kabine geleistet hatten.
So mussten alle ein Nachtlager auf dem Vorderdeck im Freien beziehen. Eine Entscheidung, die unser Geldbeutel schonte, aber sicherlich nicht unser Wohlbefinden.
Doch abhärten war angesagt, denn eins war klar, die nächsten Wochen würde kein 4 Sterne Hotel beinhalten.





Schon im Vorfeld suchten
wir Reisepartner um mit mehren Wagen durch Algerien zu fahren. Zum einen, da wir auf dem Gebiet Sahara unerfahren waren, zum anderen der Sicherheit wegen wollten wir im Verband mit anderen Fahrzeugen fahren.
So verabredeten wir
uns auf der Fähre mit einem Saharafahrer und seiner Frau, genauer gesagt Lothar und Ellen aus Freiburg, die mit ihrem Toyota Landcruiser gleiches vor hatten.
Doch in Tunesien trennten sich vorerst unsere Wege. Treffpunkt für unsere
gemeinsame Weiterfahrt war Tozeur in der Nähe der Algerische Grenze.
Zur langsamen Einstimmung auf eine Welt die uns Europäern doch so fremd ist, war Tunesien der richtige Ort. Hier war einiges vertraut, doch das sollte sich bald
ändern.






In Tozeur am Rande der Tunesischen Sahara trafen wir Lothar und Ellen wieder, die weiter Kontakt zu anderen
Saharafahrern geknüpft hatten. Günter und Brunhild einem Ehepaar aus Hagen, waren unsere weiteren Mitstreiter, auch sie waren mit einem Toyota Landcuiser unterwegs.
Die Strecken wurden zusammen abgestimmt, dabei wurde uns Frischlingen
ein wenig mulmig zu Mute. Denn alle entschieden sich nicht für die gängige Pistenstrecke Richtung Süden, sondern für eine Strecke durch den großen Erg Oriental einem Sanddünnengebiet , wo es im Umkreis von hunderten Kilometer keine
Zivilisation, Versorgungsstation oder der gleichen gab.
Hier war man auf sich selbst angewiesen und verantwortlich. Diese Strecke alleine zu durchqueren, war viel zu gefährlich, denn in der Einsamkeit und der Stille dieser unbewegten
Natur deren Aggressivität sich hinter dem Schleier der scheinbarer Sanftmut versteckt, konnte man nach wenigen Tagen vor Hitze und Kälte umkommen.
Wir waren gewarnt und wussten das unser Land Rover auf vier Rädern unsere
Lebensversicherung war, aber mit unseren neuen Gefährten in ihren Wagen, fühlten wir uns in der Lage, dem Erg Oriental die Stirn zu bieten.
Jetzt stellte sich heraus ob unser Umbauten am Wagen und unser Geländewagentraining Früchte trugen.
Am 3. Juli 1962 ging die mehr als 130 jährige Kolonial – und Besatzungszeit Frankreichs in Algerien zu Ende.
Algerien erhielt somit seine Unabhängigkeit von den Franzosen.
Zeugen dieser immer währenden militärischen Konflikt zwischen Besatzern (also Franzosen) und Einheimischen (Araber bzw. Tuareg) sind die Soldatenforts (der Franzosen).
Sie stehen heute Abseits der großen Pistenrouten, wie auch mitten
im Erg Oriental. Heute sind sie für Europäer nur mit GPS auffindbar, da zu ihnen keine Piste, keine Straße, keine Hinweißschilder oder der gleichen hinführen. Doch früher war ihr Standort von strategischer Bedeutung. Sie wurden an
Wasserstellen (Brunnen) errichtet. Denn wer die Kontrolle über das Wasser in der Wüste hat, der hat auch die Kontrolle über das Leben hier.
Doch trotz alledem kam diese Region nicht zur Ruhe. Zahllose Konflikte belegen dies. Der Kampf
zwischen Franzosen und Einheimischen wurde auf beiden Seiten mit unerbittlicher Härte und Grausamkeit geführt und hinterließ gerade im letzten Algerienkrieg bei beiden Völkern ein tiefreichendes Trauma.






In Hassi Messaoud unserem ersten Etappenziel in Algerien fuhren wir erschöpft aber glücklich ein, denn wir hatten es
geschafft und Selbstbewusstsein dazu gewonnen.
Wir waren froh das das ewige Frei graben des Wagens im Sand und das ständige ab- und aufmontieren der Sandbleche vorerst vorüber war.
Wir befanden uns in einer Stadt die nur eine Sache ihre Existenz verdankt, dem Öl.
Das Abenteuer Sahara konnte beginnen.







Nun sind die ersten Sanddünen da und es ist schon ein komisches Gefühl so einfach in die Dünen zu fahren. Einfach ist
übertrieben, einiges muß man schon beachten.
Ähnlich wie das Skifahren im Tiefschnee ist es ein wunderbares Gefühl, durch möglichst unberührten Sand zu ”pflügen”.
Allerdings hat dies oft seine Tücken, und es wird nicht ausbleiben,
das man hin und wieder einmal stecken bleibt. Das bedeutet allerdings keine Schande, und das Ausbuddeln eines eingesandeten Wagens kann - wenn es sich nicht zu oft wiederholt - sogar Spaß machen. Schließlich will man ja Schaufeln und
Sandbleche nicht umsonst mitgenommen haben!
Die erste Grundregel für das Befahren sandiger Passagen heißt: sanft und gefühlvoll fahren.
Ähnlich wie in Schnee und Eis vermeidet man im Sand abrupte Manöver, enge Kurven und ruckhafte
Fahrweise. Besonders gefühlvoll muss man mit dem Gaspedal umgehen, um das Durchdrehen der Räder zu vermeiden. Auch die Bremse verwendet man man möglichst sparsam und wenn, dann mit viel Gefühl, da durch zu starkes bremsen die Räder leicht
blockieren und im Sand einsinken. Wer auf lockerem Sand unbedingt anhalten muss, der sollte den Wagen nicht abbremsen, sondern ihn mit durchgetrettener Kupplung bis zum Stillstand ausrollen lassen. Auch fährt man nicht im spitzen Winkel in
ein Sandfeld hinein, da sonst der Wagen durch das ungleiche Abbremsen leicht ins schleudern gerät.
Die zweite Grundregel lautet: rechtzeitig zurückschalten!
Man fährt in ein Sandfeld mit möglichst viel Schwung hinein, wobei wichtig
ist, das der Motor im jeweiligen Gang noch über Kraftreserven verfügt und seine volle Drehzahl erreichen kann. Spürt man dagegen, dass der Wagen trotz voll durchgetrettenem Gaspedal seine Geschwindigkeit nur noch mit Mühe hält oder gar
verlangsamt, dann wird es höchste
Zeit, noch einen Gang oder gleich zwei
zurückzuschalten, um wieder Kraftreserven zu gewinnen. Zu langes Zögern in der Hoffnung, der Wagen werde es schon schaffen, bedeutet meist eine unnötige Schinderei für den Motor und schließlich doch eine ausgiebige Buddelei.
Durch
Reduzieren des Reifendrucks in den Reifen auf 0,8 - 1 bar vergrößert sich deren Auflagefläche und die Einsandungsgefahr.
Vor dem Durchfahren einer schwierigen Sandpassage sollte man diese möglichst zu Fuß begehen.
Trotzdem passiert es das man sich doch richtig eingebuddelt hat.
Schweißtreibende Arbeit ist es bei Temperaturen um die 30 C ° immer wieder die Sandbleche vom Dach runter zu holen, dann unter dem Fahrzeug großzügig alles
frei zu schaufeln, sowie die Reifen, denn es genügt nicht nur in Fahrtrichtung vor den Rädern ein wenig Sand wegzukratzen, sondern auch deren Außen- und Innenflanken völlig frei zu legen, dann erst werden die Sandbleche unterlegt. Bei
Allradfahrzeugen legt man die Sandbleche unter die vordersten Räder, damit die folgenden Reifen diese feste Unterlage ausnützen können. Die Helfer müssen dann kräftig anschieben, dabei müssen sie aufpassen das die Sandbleche nicht hinten
herausfliegen und man sich verletzt. Man sollte so weit fahren bis wieder fester Sand unter den Reifen ist, oder man wieder fest sitzt!
Vor dem Überfahren von Dünen sollte man diese auch zu Fuß sondieren, wie es auf der anderen Seite aussieht.
Es ist schon oft genug passiert, das ein Wagen eine Düne zwar elegant erklommen hat, den zu steilen Abhang drüben aber nur in
Saltos hinter sich brachte. Und was passiert, wenn die Abfahrt auf der anderen Seite in einen von steilen Dünen umgebenen Kessel mündet, aus dem es kein Entrinnen gibt, es sei denn, man schaufelt die Sandberge weg zur Seite?



Im Jahre 1956 begann der große Ölrausch in Algerien. Zum ersten Mal lieferte eine Bohrung Öl in rentabler Menge.
Und seither strömt aus vielen bis zu 3000 m tiefen Bohrstellen gerade in und um Hassi Messaoud Öl. Das Hauptexportgut Algeriens.
Algerien reihte sich
in die Riege der großen Ölexportierenden Nationen ein. Seine Bohrstellen gleichen Festungsartigen Bauwerken, die stark von Militär bewacht wird, und durch Stacheldraht, hohe Zäune und Wachtürme gegen Terroristische Akte geschützt wird.
Spätestens hier wurde einem bewusst, dieses Land steckt seid Jahrzehnten in einer innenpolitischen Zerreißprobe zwischen Regierung und Islamiten.
Ein Land der Gegensätze, obwohl Öl in großer Menge exportiert wird, ist Spritmangel an der Tagesordnung.
Zum einen sind Tankstellen rar und dazu oftmals trocken.
Uns drängte sich der Gedanke auf, das dieser Zustand Methode hatte. Doch davon später.
So wurde Sprit neben Wasser das wertvollste Gut auf unserer Reise.



Unser Team
oben Torsten, Joachim, Lothar, Günter, unten Ellen, Andrea, Peter, Brunhild
Von Hassi Messaud ging es geradewegs weiter in Richtung Süden durch endlose Sand,- Kiesel,- und
Geröllandschaften. Ein Gegend die, wenn man sich nicht auf die Strecke konzentrieren muss, wie in Trance empfindet.
Eine Landschaft die so menschenfeindlich ist, das selbst Vögel sie nur in großer Höhe überfliegen. Selbst die Beduinen
fühlten sich dieser gnadenloser Natur nicht gewachsen.
Wir waren im Reich der Tuareg, die einzig und alleine sich hier behaupten konnten. Die Ritter der Wüste und unsere Route führte zu einer ihrer Heiligtümer, dem Geisterberg in mitten
ein Land der Leere.






Vom Geisterberg inspiriert fragte man sich mehr denn je, wer sind und wer wahren die Tuareg?
Tuareg ist eigentlich ein Schimpfwort der Araber und bedeutet soviel wie die von Gott verstoßenen oder Gott
verlassenen. Doch dieser Name hat sich im laufe der Zeit eingebürgert, so das die Tuareg selber nichts mehr gegen diesen Namen ein zu wenden haben. Doch sie selber nennen sich Tamascheck, was soviel bedeutet wie „die Freien“. Sie
haben eine eigene Schrift, eine eigene Sprache und obwohl dieses Volk dem Islam angehört, haben sie in ihrer Mythologie noch viele Geister.
In der Tat ein
Volk, das von Anbeginn seiner Existenz verstanden hat das Beste aus Situationen zu machen und alles von sich zu weisen was ihrer Tradition oder Freiheit abträglich ist. Ihr Ursprung d.h. woher sie einst kamen, liegt im vollkommenen Dunkel.
Niemand weiß heute, davon zu berichten. Tatsache ist nur, das sie einst ganz Nordafrika besiedelten und erst von den Arabern aus diesen nördlichen Gebieten und den Ausläufern des Atlasgebirges abgedrängt worden sind in die Wüste. Ihr
Lebensraum erstreckt sich über 3 Länder: Algerien, Niger und Mali. Von ihrer Tradition sind es Nomaden und unterliegen eigentlich einem uralten Kastensystem.
Was die obere Kaste die Adeligen bzw. Krieger beinhaltet. Ihnen obliegt die
Aufgabe die Sippe bzw. untere Kasten vor äußeren Feinden zu schützen.
Dann die Kaste der Versallen, sie sind meist Viehzüchter und leisten den Adeligen Abgabe und erhielten dafür ihren Schutz.
Und schließlich die unterste Kaste die
Sklaven, sie sind meist Schwarze (denn die eigentlichen Tuareg sind recht hellhäutig) und ihnen fällt die Aufgabe der harten, einfachen Arbeit an. Die Nachkommen dieser Kaste genießen aber heute rechtlich die gleiche Freiheit, bleiben aber
oft in diesen Familien strikt verhaftet. Auch wegen Beschäftigungsmangel.
Bis Anfang des letzten Jahrhunderts funktionierte diese Gesellschaftsstruktur. Und wurde erst durch die Franzosen systematisch zerstört.
Dagegen werten die
Tuareg sich natürlich und das in vielen Kriegen und Schlachten. Doch letztendlich mussten sie ihre Waffen niederlegen, weil die Franzosen ihren ärgsten Feind den Durst zu Verbündeten machten.
Ich habe dieses schon erwähnt,
beim Standort der Forts. So waren sie ein Volk ohne Daseinsberechtigung. Ihnen wurde die Grundlage ihrer Existenz genommen und das war der Kampf und die Freiheit.
90 Jahre später ist die Situation der Tuareg immer noch schwierig. Die
Strukturveränderung der heutigen Zeit lastet schwer auf einem Volk was stolz ist und noch stark in den alten Traditionen verhaftet ist. Gerade die Kaste der Adeligen ( Krieger) kommen mit den Veränderungen am wenigsten klar. Denn ihre
Aufgabe als Beschützer der Kasten (Sippe) ist hinfällig geworden in der heutigen Zeit.
Doch normale Arbeit gilt bei ihnen als niedrige, unwürdige Tätigkeit. Dennoch müssen sie sich als LKW –Fahrer oder Bauarbeiter verdingen und wenn man
durch eine Stadt in Südalgerien schlendert und solch einen stolzen Mann in weißen Schleier und blauem Gewand als z. B. Maurer in einer Baustelle an der Wand herumwurschteln sieht. Denkt man sich doch, dass dies nicht zum Ritter der Wüste
passt, ihm obliegt doch die Freiheit der Wüste.














Auch die Stellung der Frau ist so ganz anders als bei anderen mohammedanischen Völkern und im Gegenzug der Araber
vollkommen anders!
Sie genießt hohes Ansehen, ist unabhängig, unverschleiert, (anders als beim Mann), darf ihren Mann selber aussuchen, darf sich auch von ihm trenne. Abstammung und Erbe richten sich nach der Linie der Frau, d.h.
Kinder können nur Adelig sein, wenn die Mutter adelig ist.
Das Gesetz der Gastfreundschaft ist ebenso wichtig wie die Achtung der Frau und galt bei den Tuareg noch vor dem Koran.
Sie sind so das einzige Volk unter dem Islam, das an der Gleichheit der Geschlechter festhält.

Unser Weg führte uns weiter in Richtung Süden ins Hoggergebirge, zum Berg der Berge in Algerien, dem Assekrem. Eines
unserer Höhepunkte auf unserer Reise. In den Büchern wird die Piste zur Spitze des Assekrem als Schrecken der Sahara bezeichnet. Vielleicht ein wenig übertrieben, aber es gehört ein großes Maß an Konzentration dazu seinen Wagen hier heil
über die Berge zu bringen.
Das Hoggergebirge ist ein Überbleibsel jahrmillionener zurückliegender Vulkantätigkeit. Weite
Flächen hier, sind mit schwarzem Lavagestein bedeckt. Und wie in einer Phantasielandschaft ragen gewaltige Basaltdome, die einstige Schlotfüllung ehemaliger Vulkane in den Himmel empor. Der Gesteinsanteil dieser Vulkane ist im laufe der
Zeit in Schutt und Geröll zerfallen. Nur die versteinerte Lava , der Basalt trotz Wind und Wetter. Wie riesige Orgelpfeifen ragen diese Säulen der Natur empor und scheinen so ebenmäßig, das man meint sie wären von Menschenhand erschaffen.
Das Zentrum des Hoggergebirges ist eine gewaltige Landschaft, dunkel und unheimlich, wild und rau, fremdartig und vielleicht deshalb so interessant. Als wir mit unserem Fahrzeug die Spitze des Assekrem erreichten mit einer Höhe von 2726 m, erlebten wir einen Sonnenuntergang bzw. den Sonnenaufgang eines Tages in solch einer Vollkommenheit, das dies schwer in Worte und Bild zu erfassen ist. Einfach glückliche Momente!










Aus unseren Träumen zurück mussten wir uns mit ganz banalen Sachen, wie betanken des Fahrzeuges beschäftigen. In einem
Land wie Algerien mit soviel Öl wohl kein Problem! Doch weit gefehlt! Ich hatte es ja schon einmal erwähnt. Spritmangel ist an der
Tagesordnung.
Unsere nächste
Station war Tamanrasset die Hauptstadt des Hoggers und die einzigste Möglichkeit hier im Süden Algeriens an Diesel zu kommen. Tamanrasset ist ein Schmelztiegel der Rassen und Hautfarben. Gerade viele schwarze Menschen die ihr Elend aus ihren Heimatländern Niger und Mali entfliehen wollen, suchen hier in Tamanrasset die Möglichkeit zum Aufbau einer bescheidenen Existenz.


Als wir mit unserem Fahrzeug in Tamanrasset ankamen, mussten wir fest stellen, das die Gerüchte die schon voraus eilten, wahr waren.
Kein Diesel !!!!!
Lange Schlangen von LKW´s und anderen Fahrzeugen standen vor einer Tankstelle. Und obwohl ein volles Tanklager
direkt gegenüber dieser Tankstelle war, kam es nur zu sporadischen Betankungen. Dies hatte großen Tumult zur Folge. Denn jeder versuchte mit seinem Kanister an den Zapfhahn zu kommen. Doch der war von Polizei und Militär gesichert. Jeder
der versuchte eigenmächtig an Sprit zu kommen oder sich weigerte seine Kanister von der Zapfsäule zu entfernen, wurde gnadenlos und brutal zusammen geschlagen von der Polizei und das so lange bis dieser nicht mehr laufen konnte.
Wir kamen schnell zu der Erkenntnis, das ohne Bestechung kein weiter kommen möglich wäre. Und als wir sozusagen mit dem
Kanister in der Hand schon eine Nacht auf der Tankstelle zugebracht hatten, gaben wir am nächsten Tag einem mürrisch Polizisten das, was er haben wollte, um an Diesel zu kommen.
Es war die einzigste Möglichkeit unsere nächsten Ziele hier im Süden des Landes zu erreichen.
Das dieser Zustand Methode hat, habe ich schon einmal erwähnt. Die Regierung versucht gerade die Tuareg an der kurzen Leine zu halten. Es ist
immer noch ein Volk was gegängelt, vertrieben und verfolgt wird.
Zuletzt in den 90 er probten die Tuareg einen Aufstand. Und dies hier brauchte nur einen Funken um das die Situation explodiert, das war uns klar!



Es ging von Tam weiter Richtung Südosten , wir unternahmen die Südumfahrung des Hoggergebirges entlang der Grenzregion
zum Niger auf der berüchtigten Schmugglerpiste. Ziel Djanet oder auch Perle der Oasen genannt.
Uns erwartete eine 4 – tägiger, langer, beschwerlicher Weg dort hin.
Erschwerend kommt hinzu das diese Region im Süden des Landes als unsicher galt, hergerufen von zahllosen Schmuggler und Banditen. Nach hören sagen waren diese Männer bis an die Zähne bewaffnet und sehr gefährlich. Hier draußen herrscht das Gesetz wer zuerst schießt der bleibt am Leben!
Doch bis dato ging die Regierung davon aus das für Saharafahrer Algerien nicht sonderlich gefährlich sei! Ein Fehlurteil was sich wenige Wochen später durch das Geiseldrama der Saharatouristen bestätigen sollte.
Doch wir hatten Glück außer einiger Militärposten trafen wir niemanden.
Uns wurde hier draußen, das Wunder der Wüste zu Teil. Nach nächtlichen Regenfällen schoss überall Grün hervor und selbst die Sanddünen erblühten im zarten Grün.
Die Wüste lebt, dies wurde uns auf wundersamer Weise bewusst. Nach kurzer Pause in Tam waren wir zurück in der wilden Natur der Sahara.







Hier unten im Süden war die Strecke besonders Abwechslungsreich und von der weitläufigen Ebene bis zu fantastisch geformte und zerklüftete Felsformationen war alles hier was die Sahara zu bieten hat. Trotz der Schönheit dieser Landschaft war auch dieses Gebiet äußerst einsam und Menschenleer. Und durch Unachtsamkeit von Günther und Brunhild in ihrem Toyota Landcruser fielen die Beiden auf der Strecke zurück, so das wir uns nicht kurzschließen konnten für einen weiteren Treffpunkt. Ergebnis war, das wir die Beiden verloren. Alle hatten ein ungutes Gefühl, denn jeder wusste, das man an diesem einsamen Ort nicht alleine mit seinem Fahrzeug unterwegs sein sollte. Wir gaben die Suche auf und hofften das wir die Beiden in Djanet wieder sehen würden.
Auf dem Wagen von Günter und Brunhild stand in großen arabischen Buchstaben “In Schala“ (So Gott will). Und mehr denn je war das Schicksal der Beiden in Gottes Hand.








Wir erreichen ohne weiter Zwischenfälle Djanet am Fuße des Tassili. Mehr denn empfanden wir diese Oase als Insel der Wüste. Freude kam beim plötzlichen auftauchen der Palmen und beim Anblick der malerisch am Berg klebenden Häuser auf. Eine weitere Prüfung der Sahara war bestanden.
Nur die Sorge um Günther und Brunhild trübte die Stimmung. Aber siehe da einige Stunden später tauchten auch sie
auf. Erleichterung machte sich breit. Beide waren wohl auf.
Djanet umgibt ein romantisches Flair, wenn die Moderne auch hier Einzug gehalten hat! Doch diese Oase hat sich den Hauch des alten Orient bewahrt.
Wenn man mit seinem Fahrzeug hier im Süden Algeriens im Tasili unterwegs ist, glaubt man oftmals der erste Mensch zu
sein der diesen Boden betritt. Aber man befindet sich mitten in einem Freilichtmuseum der Menschheitsgeschichte. Tausende von Felszeichnungen, Tonware die ab und zu vom Sand freigegeben werden oder Vorislamische Schlüssellochgräber zeugen
davon das Menschen schon vor Jahrtausenden hier lebten und siedelten. Eine Zeit wo die Sahara fruchtbar und grün war, voll von Tieren die heute nicht mehr hier auffindbar sind.Die Felszeichnungen berichten davon! Sie stellen Nasshörner,
Giraffen, Strauße, Löwen, große Rinderherden usw. in anschaulicher weise dar.
Wie doch in relativ kurzer Zeit sich hier alles verändert hat. Was wird wohl die Zukunft an Veränderung bringen?



Djanet war der Wendepunkt auf unserer Reise und das in jeglicher Hinsicht.
Unser nächstes Ziel lag im Norden des
Landes und durch eine gut ausgebaute Strecke in kalkulierbarer Zeit erreichbar. Die heilige Städte der Mozambiten mit Ghadara als größte war das Ziel zurück in den Schoß der Zivilisation.







Wo wir uns auch befanden, für die Kinder Nordafrikas waren wir die Attraktion schlecht hin!
Beim
plötzlichen auftauchen von Europäern mit ihren Geländewagen war dies wohl für sie wie für uns Weihnachten und Geburtstag zusammen. Jeder von denen versuchte ein wenig Süßigkeiten oder der gleichen von uns zu erhaschen.( Sie umschwirrten
unseren Landrover wie ein wild gewordener Schwarm Bienen) Alle Kinder versuchten irgendwie in den Wagen zu gelangen. Kinder die schon mit Kleinigkeiten glücklich zu machen waren wie Kaugummis oder Bonbons.
Nur durch konsequentes hochkurbeln der Autoscheiben und dem langsam Gas geben und wegfahren des Fahrzeugs war der kleinen Quälgeister Herr zu werden. Unsere Mitbringsel reichten
nicht für jedes Kind was uns auf unserem Weg begegnete und so mussten wir wohl oder übel mehr als einmal die Flucht vor ihnen antreten.
Wir erreichten Ghardara einer der 5 heiligen Städte der Mozabiten. Einer streng islamisch gläubigen Gruppe im Norden
Algeriens.
Ihr Glaube verbietet es, das Andersgläubige wie wir z.B. überhaupt ihre heiligste Stadt Beni Isguen betreten dürfen und wenn dann nur mit einem streng gläubigen islamischen Wächter. Abends wurden die Stadttore Geschlossen und
den Fremden ist der Zutritt vollkommen verwehrt.






Auch das fotografieren erwies sich als schwierig, da die Menschen ablehnend und misstrauisch oft darauf reagieren.
Die Frauen sind fast vollkommen aus dem öffentlichen Leben verband. Und wenn sie das Haus verlassen, was selten vorkommt dann nur komplett verschleiert einzig und alleine ein Auge dient zur Orientierung.
Dies alles wirkt befremdlich und rückständig auf uns. Doch ihre Städte sind Meisterwerke islamischer Baukunst und ins Weltkulturerbe der Menschheit der Unesco aufgenommen. Einfach eine faszinierende Atmosphäre.











Von den Städten der Mozabiten ging es zurück über El Oed zur Tunesischen Grenze. Wir traten das Ende unserer Reise an. Dabei erwischte uns ein Sandsturm. Der Tanz des Dschin war entfacht. Ein weiter kommen war nicht möglich und erst als dieser sich legte war der Weg frei für unsere Heimreise.
Ich verabschiede mich mit Bildern einer Landschaft wo die Träume und das Abenteuer einen Namen haben
SAHARA.






























Der Geisterberg der Tuareg hat eine Höhe von 2330 m. Er prägt sein umliegendes Gebiet auf beeindruckende Weise.
Den ganzen Tag lag Dunst in der Luft und als wir ihn am späten Nachmittag erreichten, lag er wie sein Name schon sagt geisterhaft hinter Schleier aus Nebel verhüllt.
Man konnte nur erahnen was sich dahinter verbirgt. Erst am Abend
und darauf folgenden Morgen präsentierte er sich in voller Schönheit. Ein Alpenpanorama und das mitten im Nirgendwo!
Wie gebannt stand man neben seinem Zelt und näherte sich ihm fast andächtig. In der Natur der Sahara spielt Größe keine
Rolle und der Mensch wird wieder auf sein angemessenes Maß reduziert.
Wir spürten den Atem der Natur, das Glücksgefühl hier allein sein zu dürfen in dieser fantastischen Landschaft.
Es war das Reich der Toten, der Vorfahren, der
Ahnen, der Geister der Tuareg die mit Recht behaupten konnten die waren Söhne der Wüste zu sein. Ihnen ist dieser Ort unheimlich und mit jedem Schritt und mit jedem Atemzug durchschnitten wir die Stille ihres Reiches. Wir berührten auf
unsere Weise die Unendlichkeit. Dies ist ein Ort für die Wüstenbewohner, eine Brücke vom Diesseits zum Jenseits. Hier am Ende der Welt fühlte man sich als Teil eines Ganzes, als Teil der Natur!



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